Sunday, 5. February 2012
24.12.2009
 

Toten wird Schweinegrippe untergejubelt

Gerhard Wisnewski

Liegt nicht irgendwo noch eine Leiche rum, deren früherer Inhaber an Schweinegrippe gestorben sein könnte? Klar! Da war doch dieses Hollywood-Starlet Brittany Murphy. Die schluckte zwar eimerweise Medikamente. Aber könnte es nicht sein, dass ihr ganz einfach die Schweinegrippe den Rest gab? Natürlich!, meinen die Medien und versuchen die Leiche prompt wiederzubeleben – allerdings nicht Brittanys, sondern die der Schweinegrippe.

Es ist schon ein Kreuz – Gott sei's geklagt: Gerade, als er noch in seinen Kinderschuhen steckte, verschied plötzlich und unerwartet ein vielversprechender Balg der Pharmaindustrie. Nach einer fulminanten Geburt, welche die ganze Welt in Atem hielt, wurde er plötzlich von der Schwindsucht befallen und immer blasser und blasser. Bis er im Dezember 2009 sang und klanglos von uns ging. Die Rede ist von der Schweinegrippe.

Aber wenn man sie schon den Lebenden nicht recht unterjubeln konnte, dann vielleicht den Toten. Denn die können sich ja bekanntlich nicht mehr wehren. Und so fand beispielsweise die Bild-Zeitung, dass man der verstorbenen Brittany doch gut und gerne auch noch die Schweinegrippe anhängen könnte – was macht das schon aus? Von der Grippe zum Gerippe, sozusagen. Brittany schadet's nicht, aber der Schweineindustrie  bzw. -grippe nützt es enorm, denn dann wirkt die Schweinegrippe nicht ganz so wie vom Erdboden verschluckt.

Also: »Hatte Brittany Murphy die Schweinegrippe?«, fragte die Bild-Website am 22. Dezember 2009 posthum besorgt. Immerhin erlag die Frau schon mit 32 einem Herztod. Und die paar Pillen, die sie laut Bild einnahm, können es nun wirklich nicht alleine gewesen sein:

– Vicoprofen: ein Schmerzmittel

– Topamax: Mittel zur Behandlung von Epilepsie und Migräne

– Propranolol: zur Behandlung von Bluthochdruck, unter anderem in Folge von Herzkrankheiten

– Klonopin: gegen Angstzustände

– Hydrocodon: ein Schmerzmittel

– Fluoxetin: ein Antidepressivum

– Carbamazepin: ein Anti-Epileptikum, das auch zur Behandlung psychischer Störungen angewendet wird

– Biaxin: ein Antibiotikum

– Ativan: zur Behandlung von Angstzuständen

Quelle: Bild.de, 22.12.2009

Das alles soll zwar auf ihrem Nachttisch gestanden haben, aber aus der Sicht eines Bild-Redakteurs ist das doch gar nix! Das schreit doch geradezu nach einem Missing Link! Was also hat Brittany neben diesen paar Schmankerln bloß den Rest gegeben?

Laut Bild hatte ein Schreiberling namens Patt Morrison von der Los Angeles Times da so eine Idee. In einem Radio-Interview mit der BBC habe er erklärt: »Ich frage mich, ob sie nicht die Schweinegrippe hatte.« Dies, so Bild, »könnte der Grund für ein geschwächtes Immunsystem gewesen sein«. Morrison laut Bild: »Ihr war übel, und sie musste sich vor ihrem Tod übergeben. Herzversagen ist oft die Todesursache in Zusammenhang mit dieser Grippe-Variante«, folgerte der Mann rasiermesserscharf.

Eh klar. Von dem Medikamentencocktail kann einem schließlich unmöglich schlecht werden. Und was bleibt da noch? Natürlich die Schweinegrippe – was denn sonst?

Das legte auch ihr Ehemann Simon Monjack nahe. Drogen? Nicht doch. Zwar war auch Monjack selbst vor einigen Wochen plötzlich mit Atemstillstand umgekippt, woraufhin Drogengerüchte die Runde machten. Als nun die Notärzte am Bett seiner Frau eintrafen, soll er benommen gewirkt haben. Aber seine Frau soll unter starken Bauchschmerzen, Unwohlsein und Kurzatmigkeit gelitten haben, sagte er. Außerdem unter einer Kehlkopfentzündung, Schluckbeschwerden und grippeähnlichen Symptomen. Fast alles davon kann man freilich auch bekommen, wenn man ein Gift nach dem anderen herunterwürgt.

Von einer Autopsie der Verstorbenen war Monjack überhaupt nicht begeistert und lehnte sie ab. Was allerdings nichts half. Nun wird der Leichnam doch noch einer toxikologischen Untersuchung unterzogen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

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