Sunday, 5. February 2012
10.09.2009
 

Schweinegrippe-Experimente an Kindern!

Michael Grandt

Die Uni-Klinik Rostock sucht Kinder und Jugendliche ab drei Jahren für eine Schweinegrippe-Impfstoff-Studie. In ganz Europa sollen 2.000 Kinder mit einem neuen Wirkstoff getestet werden. Nebenwirkungen: ungewiss.

Dies ist kein Einzelfall, denn die Tests an Kindern – die im Übrigen auch an anderen Kliniken laufen, von der Öffentlichkeit aber nicht wahrgenommen werden – werden schon seit ein paar Wochen durchgeführt.

 

 

Warum Impfstoff-Tests an Kindern?

Wie Focus Online meldete, soll der Impfstoff gegen Schweinegrippe europaweit an 2.000 Kindern getestet werden. Begründung: Die Häufung der Schweinegrippe-Fälle bei Minderjährigen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Verbreitung der Schweinegrippe vor allem über Kinder stattfinden soll. Besonders häufig soll die Krankheit bei jüngeren Kindern auftreten, das hätten Daten aus Mexiko, den USA und Großbritannien gezeigt und deshalb sei die »logische Konsequenz«, auch Minderjährige in die klinischen Tests einzubeziehen.

Die Uniklinik Mainz hatte den Startschuss für den europaweiten Test des Impfstoffs an 2.000 Kindern bereits Mitte letzten Monats gegeben. Der Vorstandschef der Klinik, Norbert Pfeiffer, erklärte: »Die Teilnehmer an dieser Studie leisten einen großen Beitrag für eine wirksame Pandemiebekämpfung.« Er warnte zudem vor einer Verharmlosung der Schweinegrippe, da die Gefahr bestehe, dass die Infektion im Laufe der Zeit auch schwerere Krankheitsverläufe auslösen könne.

 

 

Kinderexperimente mit einem neuen Wirkstoff

In den »Kinderexperimenten«, wie ich sie nenne, sollen im Rahmen einer Studie sowohl ein Impfstoff, der traditionell, und ein Wirkstoff, der nach einer neuen Methode auf der Basis von Zellkulturen erzeugt wurde, getestet werden. Hersteller beider Impfstoffe ist das Unternehmen Novartis. Der Pharmakonzern übernimmt auch die Kosten der Studie, zu der Anfang Oktober Ergebnisse vorliegen sollen.

Die »Kinderexperimente« gehen so vor sich: Die »Testpersonen« werden zweimal im Abstand von vier Wochen gegen die Schweinegrippe geimpft. Ein Jahr später erfolgt eine Auffrischung. In den ersten drei Monaten  müssen die Kinder und ihre Eltern fünf Arztbesuche wahrnehmen sowie fünf Telefoninterviews führen. Gesucht werden Kinder ab einem Alter von sechs Monaten.

 

 

Verantwortungslose Eltern kassieren Kopfgeld

Auch die Uni-Klinik Rostock sucht Kinder für ihre Impfstoff-Experimente gegen Schweinegrippe und zwar im Alter von drei bis 18 Jahren  Der Auftraggeber auch hier: der Pharmariese Novartis. Die Eltern sollen eine »Belohnung«, ich nenne es »Kopfgeld«, von 250 Euro bekommen. Der Ausgang der Experimente ist ungewiss, das jedenfalls meldet MRoss Daily News.

Die Kinder werden per Anzeige in der Ostsee-Zeitung gesucht. Die Anzeige liegt mir, mit freundlicher Unterstützung der Zeitung, vor. Der Text lautet: »Teilnehmer für Impfstudie gesucht. Für eine laufende Studie mit einem Impfstoff gegen die neue Grippe (›Schweinegrippe‹) suchen wir Kinder und Jugendliche ab drei Jahre als Teilnehmer (…) Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.«

Auf MRoss Daily News ist weiter zu lesen: »Wie der verantwortliche Mediziner erklärte, soll untersucht werden, ob der vorgesehene Impfstoff von Novartis zu unerwarteten Nebenwirkungen führt. Er rechne zwar nicht, dass solche Nebenwirkungen auftreten, aber eine 100-prozentige Garantie könne man derzeit nicht geben – deshalb sind die Tests erforderlich.

Auf die Frage, ob der projektleitende Arzt sich selbst und seine Kinder auch schon gegen die Schweinegrippe impfen lassen würde, antwortete der Mediziner mit ›ja‹. Um die Unbedenklichkeit des Novartis-Impfstoffes zu testen, laufen derzeit weltweite Tests mit Kindern und Jugendlichen (…) Über mögliche Nebenwirkungen äußerte sich der Arzt folgendermaßen: Rötungen an der Einstichstelle, Druck, grippeähnliche Beschwerden, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen. Fehlsteuerungen des Immunsystems

Dem Vernehmen nach sollen vor allem »arme« Familien das Impfstoff-Experiment als willkommene Einnahmequelle nutzen und ihre Kinder in die Klinik bringen. Es gibt pro Termin 50 Euro, also insgesamt 250 Euro »Kopfgeld« für die Gesundheit des eigenen Kindes. Ich nenne das unverantwortlich. Welche Eltern tun so etwas ihren kleinen Kindern freiwillig an?

 

 

Schwere Körperverletzung mit Billigung der Eltern?

Ein Ausflug in die Juristerei zeigt: Nach dem Nürnberger Kodex von 1947 ist die Versuchsimpfung mit den Kindern gesetzeswidrig, wenn versucht wird, sie zum Impfen zu überreden. Aber anders kann das ja gar nicht sein, denn ein Kind, das beispielsweise drei, vier oder fünf Jahre alt ist, wird gar nicht begreifen, um was es geht. Hier müsste also die Staatsanwaltschaft prüfen, ob nicht der Straftatbestand der schweren Körperverletzung mit Billigung der Eltern erfüllt ist.

Übrigens: Die Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten der Universität Rostock sucht auch noch Erwachsene für die Teilnahme an einer »Impfstudie«, wie ich heute auf der Homepage (http://tropen.med.uni-rostock.de/) erfahren konnte. Als »Aufwandsentschädigung« erhält man die Fahrtkosten und drei kostenlose Impfungen mit einem neuen Wirkstoff gegen die Schweinegrippe. Na, wenn das kein Geschäft ist!

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