Bundespräsident Wulff: Urlaub im Haus eines besonderen Freundes
Udo Schulze
Als Bundespräsident steht man ganz schön unter Dampf. Die Verantwortung als erster Bürger der Bundesrepublik ist nicht von Pappe, die häufigen Treffen mit Frau Merkel und Herrn Koch bestimmt auch nicht und dazu noch die viele Kritik aus der Öffentlichkeit – da braucht auch ein Christian Wulff mal Urlaub. »Familie Bundespräsident« war dieses Mal auf Mallorca. Im Hause eines besonderen Freundes…
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Als stinknormale Deutsche fliegen wir als Pauschaltouristen auf die Insel, quartieren uns in einem günstigen Hotel ein und bummeln durch die wunderschönen Städte Mallorcas. Abends gibt es dann Sangria, deutsches Bier vom Fass und gerne mal ein halbes Hähnchen. Und wenn alles gut geht, kommen wir nach 14 Tagen ohne Sonnenbrand in die Heimat zurück. Letzteres mag auch bei Familie Wulff so gewesen sein. Das war aber auch alles an Gemeinsamkeiten mit einem typischen Urlaub Deutscher auf der Balearen-Insel.
Statt im günstigen Hotel stiegen die Wulffs einen Hauch exklusiver im mindestens 20 Millionen Euro, so die Mallorca-Zeitung, wertvollen Paradise Castle (Deutsch: Schloss Paradies) ab. Das Traumhaus im Süden der Insel war vom 15. bis zum 26. Juli Sitz des Bundespräsidenten. Und wenn nicht die tragischen Ereignisse auf der Loveparade eingetreten wären, hätte Wulff es hier noch bis zum 29. Juli ausgehalten. So aber musste er frühzeitig zurück, um am Samstag der Trauerfeier in Duisburg beizuwohnen. Schweren Herzens wird Christian Wulff das Anwesen in Spanien verlassen haben, zumal es doch einem engen Freund von ihm gehört. Der heißt Carsten Maschmeyer, ist der Gründer des Hannoveraner Finanzdienstleisters AWD, verheiratet mit der Schauspielerin Veronica Ferres und geschätzte 500 Millionen Euro schwer. Und damit jetzt bloß keiner auf die Idee kommt, mit dem Urlaub des Herrn Präsidenten sei etwas nicht in Ordnung gewesen, sei darauf hingewiesen, dass Wulff die Unterkunft laut Mallorca-Zeitung voll und ganz privat bezahlt hat – auf Heller und Cent sozusagen. Immerhin: Die Wohnfläche der Villa beträgt gut 1.600 Quadratmeter, dafür muss man in vergleichbaren Häusern nach Meinung von Experten mindestens
15.000 Euro pro Woche hinblättern – auch für einen Bundespräsidenten kein Pappenstiel, denn der hat ja nach Angaben des Bundesfinanzministeriums »nur« 15.832,79 Euro monatlich. Aber da wäre Wulff ja nicht der einzige Deutsche, der ein ganzes Monatsgehalt für die schönsten Tage des Jahres draufgehen ließe. Vielleicht jedoch reichte es ja auch nur für eine der großzügigen Gästewohnungen in dem imposanten Gebäude.
Wie dem auch sei, kennen sich Maschmeyer und der frischgebackene Bundespräsident schon seit Jahren aus einem kleinen Zirkel, der sogenannten Hannover-Connection, in dem sich Politiker, Unternehmer und Künstler tummeln. Der AWD-Gründer soll auch schon als gern gesehener Sponsor verschiedener Veranstaltungen der niedersächsischen Landesregierung, deren Chef Wulff war, aufgetreten sein. Und ausgerechnet im Hause dieses Gönners macht der Bundespräsident Urlaub. Wenn das mal keinen schalen Beigeschmack hat, mag so mancher denken. Hat es, aber daran stört sich inzwischen kaum noch jemand. In Deutschland gehört eine so enge Verbindung zwischen Politikern und Unternehmen irgendwie schon zum guten Ton. Bestes Beispiel dafür ist die dicke Freundschaft zwischen Allianz-Vorstand Paul Achleitner und Ex-Außenminister Joschka Fischer (der in seinem ersten Leben linker Revoluzzer gewesen sein will). Ihn zieht es auch immer wieder zu seinem Freund nach Mallorca – der direkt gegenüber dem Paradise Castle wohnt.
Bilder: Wikipedia, CDU-Niedersachsen
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